Freitag, 19. Juni 2026

Speck und Brot … und eine Zwiebel – die Nahrung meiner Väter

  

Eine Sau irgendwo in Deutschland, wo man etwas von Schweinen versteht – hintern Gittern!

 

Speck und Brot … und eine Zwiebel – die Nahrung meiner Väter

 

 

Den Brotsack meines Großvaters habe ich heute noch – und auch heute noch sehe ich den Großvater auf dem Feld, alt schon, aber noch rüstig, „Rüben hacken“ oder Mais.

Wenn nach langer Arbeit Hunger aufkam, setzte er sich nieder, griff in den Brotsack, zum Brot zum Speck, zur Zwiebel oder zum Knoblauch, manchmal auch zur Tomate, wenn diese schon reif war, und gönnte sich das wohlverdiente Mahl – freier Luft in einem unfreien Staat, der ihm nur eine winzige Rente auszahlte, für langes Schuster-Dasein in der Kooperative.

200, 300 Lei – das wars, ohne Krankenversicherung, ohne Rücklagen auf der Bank, den Banken gab es dort nicht.

Das Schwein aber ernährte alle!

Borstenvieh und Schweinespeck – idealer Lebenszweck?

Mit Schweinen wuchs ich auf, auch unter Schweinen, auch mit Dichten und mit Lesen, aber in einer noch geordneten Welt, in welcher es mein Vater, der ein gelernter Mauer war, kein Freimauer, zu einem überperfekten Metzger gebracht hatte.

Was in unserer „Speis“ an der Decke hing, das schmeckte, die Bratwurst, meterlang an Stäben herunterhängend, die schweren Hinterschinken, Schwartenmagen, Leberwurst, Blutwurst, ferner Grieben im Glas, neben anderen Gläsern mit Aprikosen-Marmelade und Kompotten aller Art, in der Ecke ein großes Krautfass mit Sauerkraut und ein, zwei Fettständer mit Dutzenden Kilos Schweineschmalz für den Winter, auch für den Sommer, wenn das Sonnenblumenöl im Laden an der Ecke rar war.

Verwöhnt, wie ich es damals war, aß ich nur von der Bratwurst und dem Schinken, während fast alles andere an die Zigeuner im Ort weitergereicht wurde, für kleines Geld., das sie den Mais besorgten, auf ihre Art, für die eigenen drei, vier Schweine, die man so nebenbei hielt, für sich, weil man wissen wollte, was man verzehrte.

Neugierig sah ich dem Großvater zu, wenn er sich auf dem Feld den Speck so munden ließ, dazu dann und wann ein Schluck aus der Wasserflasche, daheim dann auch etwas Wein oder von dem selbstgebrannten Schnaps, den Großvater vor der Rindsuppe trank, oft mit dem Spruch auf den Lippen, wer lange Suppe ist, der lebt auch lang; was auch eintraf, bei dem einem Großvater auf den Feld, und bei dem anderen, der die Trommel schlug im Ort als „Kleinrichter“ und der seinen Schnaps noch selbst brannte, genauer, brennen ließ in der kleinen Schnapsbrennerei eines Blinden im Dorf – oft in meiner Anwesenheit.

Zwei große Ereignisse gab es im Jahr in jener noch sehr geordneten kleinen Welt der 4 000 deutschen Katholiken Maria Theresias mit den 16 Metzgereien noch vor dem Krieg:

Kirchweih[1] und das Schweineschlachten um Weihnachten!

Musik und Tanz war das eine, Daseinsvorsoge das andere, denn das Schwein lieferte die Nahrung für das ganze Jahr, schwere Speckseiten … von Schweinen, die im Januar, Februar noch Ferkel waren, ein gutes Jahr später aber ihr Schweineleben beenden mussten, um Menschen zu ernähren, was schon seit Jahrhunderten so der Brauch war, in Frankreich, aber auch unter Deutschen im Banat, die aus Lothringen, dem Elsaß, aus Luxemburg aus der Pfalz um Mainz herum herstammten.

In Gefängnis dann, nachdem ich vierzig lange Tage gehungert hatte, sah ich den Speck wieder! Den Speck von daheim in einem Paket, das die Eltern noch vor ihrer endgültigen Ausreise in die Bundesrepublik für den - fast schon verlorenen - Sohn gepackt hatten.

Jeden Tag eine Scheibe zu schwarzem Brot, das sättigte! Nur keinen Schinken schicken, in dem Päckchen, das mir zustand, ganze 5 Kilo im Banat, darunter auch eine Stange ungarische Salami, die ein Kilo wog, damals, im roten Rumänien, denn den geräucherten Schinken hätte ich viel zu schnell aufgegessen, ausgehungert, wie ich es war, bereits zum Skelett abgemagert.

Heute, alt und krank, kehre ich zur einfachen Kost zurück – und ernähre mich, auch mit winziger Rente, von einem Rückenspeck[2], der aus Spanien kommt, wo die Schweine oft noch frei herumlaufen, anders als in Tirol, eingesalzen und schmackhaft zu einem guten Brot vom Bäcker, den es hier noch gibt, während alle Metzger hier, an der Tauber, längst ausgestorben sind, in dieser deutschen Kleinstadt, in der man einmal auch eine noch Wurst kaufen konnte.

Speck ist billig, da verpönt – und ich bin dankbar, dass es ihn noch im Laden gibt.

Eine echte Tomate findet man heute allerdings nicht mehr, noch eine gute Kartoffel im einstigen Kartoffelland Deutschland. Der Knoblauch, der heute aus China, wie auch alles andere, was auch aus China kommt, hält sich noch – und die gute alte Zwiebel, die, genossen mit Speck, wieder voll zu Ehren kommt, auch in der Zwiebelsuppe, mit Weißwein und einem Schuss Cognac, im Zwiebelkuchen zum Federweißen oder in der der Quiche Lorraine, die, wie meine Ahnen, auch aus Frankreich stammt.

Ja, ich weiß, woher ich stamme!

Und man ist, was man isst! 

Auch ein Schwein? 

Das von ganzen Kulturen verschmäht wird - und doch oft edler ist als der Mensch![3]

 

 



[1] Da meine Großväter in den Jahren 1977 und 1978 starben, im Alter von 80, während meine Großmutter, ein Urgestein, noch lange Jahre weiterlebte, ohne nach Deutschland ausreisen zu wollen, wo zwei ihrer Söhne schon lebten und einer, gleich nach dem Krieg, in Hohenlohe ums Leben kam, war es mir nicht möglich, an diesem Fest aller Feste teilzunehmen, trauerbedingt; für meinen Bruder Johann aber war Kirchweih das Eins und Alles, dem er selbst den beruflichen Werdegang opferte.

Aus der Sicht der antideutschen Hasspredigerin aus dem Banat Herta Müller aber war das Anlass zum Spott, sogar mit blasphemischem Unterton, gegen die deutschen Katholiken in der Gegend: An Allerheiligen feiern die Seelen Kerwei, schrieb sie in ihrem Debüt-Werk mit tendenziösen Kurzgeschichten „Niederungen“, dessen Zitel schon entlehnt ist.

Die CSU gab ihr - dafür vielleicht – den Maximiliansorden, christlich korrekt!

 

[2] Ein Stück von diesem Speck, das mich eine ganze Woche lang ernährt, kostet kaum 3 Euro, soviel wie das Baguette beim Bächer.

Viele meiner Landsleute, die im Freikauf in den Jahren nach 1978 nach Deutschland kamen, aßen lange Jahre diesen Speck, denn zuerst musste das Grundstück erworben werden für das Haus darauf, dann das Haus gebaut … und abbezahlt … und erst dann kam der wahre Genuss der Freiheit, den manche aus der Schar der Fleißigen und Tüchtigen, von Herta Müller als Schmutzfinke beschimpft, leider nicht mehr erlebten.

Vater, seit der fünfjährigen Deportation als deutsche Zivilist der unschuldigen Art nach Kriwoj Rog in der Ukraine schwererkrankt und mehrfach operiert, starb mit 62, Bruder Hans erreichte, ebenso das halbe Leben krank, das Lebensalter 65, zwei Vettern nahmen sich das Leben -nur meine Mutter, die Tochter des Schusters, wurde alt, 95, um von der Welt zu scheiden, ohne zu erkennen, was inzwischen aus dieser Welt geworden war.

 

[3] Nachdem ich den wichtigen Beitrag heute, am 12. Oktober 2025, zum besten Freund Israels schon geschrieben und publiziert hat, nach etwa 700 Beiträgen zu Gaza, schrieb ich aus das hier nieder, innerhalb von zwei Stunden – und nach Idee, die bereits im Kopf war, da ich das Motive Schwein, Sau, Saustall, schmutzig. Koscher, rein und unrein etc. schon oft abgehandelt habe, neben dem vielen Obszönen, was ich auch ansprechen musst, obwohl mir das abgrundtief widerstrebt, aber den Geschmack und Ungeist der Zeit ausmacht, die ich eine „Zeit der Pharisäer nenne“, den Globus umspannend.

 

Meinen Speck, den ich gestern noch am späten Abend aß, auch, nachdem ich mir schon ein Hirschgulasch zubereitet hatte, von einem Hirsch, woher auch immer, aber in Bayern in Umlauf gebracht, frech an der gesetzlich vorgesehen Herkunftsbezeichnung vorbei, was in Deutschland möglich ist, werde ich heute auch noch genießen, auch noch der Rindssuppe, leider ohne Schnaps, denn auch der ist rar geworden in deutschen Landen – und unerschwinglich für arme Leute mit ganz kleiner Rente!

Der Politiker aber bekommt ihn umsonst – und den Hirsch auch noch dazu oder den Esel!

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