| Tagpfauenauge |
Unverändert, publiziert auf dem Haupt-Blog am 15. Juli 2025:
Der Schmetterling und die Reinkarnation
Vor Tagen zeigte sich eine Spitzmaus, eine Sekunde, schnappend nach einem Insekt im Gras, hier, vor meiner Terrasse, gleich neben Königskerze, die wächst, blüht und gedeiht – bis in den Herbst oder in den Himmel hinein, mir ein hell leuchtend Vorbild an Kraft und Ursprünglichkeit in ganz trister Zeit.
Die kleine Eidechse, die in der Hecke lebt, zeigt sich auch gelegentlich; inzwischen groß geworden, fühlt sie sich in einer Melonenschale wohl, schnappt auch nach Fliegen.
Regelmäßig aber kommt ein Schmetterling vorbei, ein Tagpfauenauge mit ramponierten Flügeln, fliegt auf mich zu, setzt sich auf meine Schulter, gar auf mein Haupt, flattert dann durch das Zimmer, zurück, in die Natur, kommt aber und wieder, nun schon seit Tagen, so, als ob der Besuch nur mir gelte.
Wer beehrt mich, ein Wesen aus dem früheren Leben? Eine Geliebte, die schon lange tot ist? Ein guter Freund, dem es einsam wird im Paradies? Gar der Freund fürs Leben?
Den schönen Glauben, den die Buddhisten haben - und der ihnen Respekt einflößt vor aller Kreatur, die lebt, denn selbst ein Wurm könnte die eigene Mutter sein - den haben Juden und Christen so nicht, die sich die Erde untertan machen mit allem, was kreucht und fleucht, in Berufung auf ihren Gott – und die nur die Abrechnung kennen, am Jüngsten Tag, falls der kommt … mit dem Messias.
Bis dahin leben alle mit dem Frevel, Sünde sündigen ungeniert die ganze Woche hindurch, lügend, täuschen und betrügend; am Wochenende aber, am Tag des Herrn, am Sabbat oder Sonntag, sprechen Rabbiner, Priester und Pastoren alle Sünder frei.
Besonders Fromme aus dieser Zunft der Wahrhaftigen, Diener Gottes und des großen Götzen, schreiben danach auch noch eine Abhandlung über die „Freiheit“, die andere erstritten, die sie dem Volk dann aber zum Besten geben, von der Kanzel herab, in der Synagoge oder auch aus dem Schloss heraus, wo volksnahe Demokraten ganz gern residieren.
Da lobe ich mir das schönere Märchen und die noch viel friedlichere Religion, die das Erdenleben mehr ehrt und achtet als die verborgenen Gottheiten hinter den Wolken und in den hohen Himmeln der Guten und Gerechten.
| Carl Gibson, Staatskritiker, unabhängiger politischer Beobachter und Kommentator, freier Blogger, Bürgerrechtler, Buch-Autor und Publizist, aktuelles Foto, Juli 2025 |
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