Freitag, 26. Juni 2026

Der Zaunkönig und die Königskerze

Die Blüte der Königskerze

Königskerze

 

Der Zaunkönig und die Königskerze



„Ich bin klein und brauche nicht viel“, sagte der Zaunkönig[1]. „Und immer, wenn ich hier vorbeischaue, im dichten Strauch, finde ich etwas, was ich zum Überleben brauche!“

Was er dort fand, konnte die Königskerze[2] nicht wissen, die Erhabene, die groß war, aber verkannt.

„Meine strahlenden Blüten im Gelb der Provence und der Toskana locken Insekten an, manchmal auch Maler; vor allem stehe ich aufrecht, was mich von den meisten Menschen unterscheidet.“

 





 
Wo Wasser ist, ist Leben

Das sage ich mir täglich, wenn ich den Microkosmos beobachte, eine kleine Welt, die ich mir hier aufgebaut habe, vor der Tür, immer wieder Wasser nachgießend, um Pflanzen wie kleinsten Tieren über die Sommerhitze zu helfen, über den großen Mittag, der alle lähmt, auch den Denkenden, der schreibt.

Drei Auftragswerke verfasste ich über Wasser[1], über das Lebenselixier, ohne dass nichts geht; nicht aus höherer Inspiration oder aus freiem Willen, nur vom Überleben bestimmt in der geistlosen Zeit egomanischer Materialisten.

Hungern kann der Mensch lange, einen Monat sogar, was ich nach eigenen Erfahrungen mit dem Hunger weiß. Ohne Wasser aber ist er – bei allem Öl und Reichtum – nach zwei Tagen tot.

Die Araber in der Wüste, die die kühle Oase lieben, nicht die sengende Sonne im heißen Sand, wissen davon, auch manche Juden; deshalb kämpfen sie für ihr Wasser – mit Öl und Feuer, existenziell …in ferner Erinnerung an die Gärten von Cordoba wie an die sprudelnden Quellen Granadas in der Alhambra.

Mehr als hundert Seiten schrieb Menschheitsgenie Leonardo, der auch über den Stein in Einsamkeit[2] schrieb, über das Wasser.

Nun beißt sich auch bei mir wieder die Schlange in den Schwanz – nach dem Nachdenken über Wasser und den Stein Einsamkeit in Büchern sitze ich nun, fast am Ende meiner Tage, vor dem löchrigen Stein, in Kontemplation, und denke nach über die Wirkung des Wassers und den Stein in der Zeit, beide auf das Leben verweisend.

 




 

Meine Phalanx aus Königskerzen


Steine


Noch ein Stein, Sandstein



Auf der Jagd



 

       Die Königskerze – majestätisch erhaben, eine Wucht der Urnatur!

Die alten Griechen schon schätzten sie als Heilpflanze.

Spät im Leben erst entdeckte sie, abgelenkt durch viele Dinge, neben der Distel und auf der Suche nach dem einfachen Leben.

Aufrecht und schön in einer Gestalt, darüber hinaus auch noch edel, hilfreich bei Krankheit, also gut – dem Menschen ein Vorbild?

Einige wilde Exemplare dieser Spezies habe ich hier angesiedelt, vor meiner Haustür, der – halbzahmen - Eidechse, die auch hier gerne weilt, eine Freude!

    Bei mir geht es wahrlich königlich zu –

Ich lebe unter Königskerzen und habe Umgang mit Königen, mit Zaunkönigen. Der König kommt am Morgen und geht auch wieder; die Kerzen aber bleiben den ganzen Tag - mit ihrem Gelb der Sonne entgegenleuchtend.

  Der steinerne Garten, der auch ein Kräutergarten ist,

das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, das ist mein Garten, klein, aber fein, im Bonsai-Format!

Das Gärtchen auf nur zwei Quadratmetern nur vor der Terrasse, das langsam Gestalt annimmt, Stein für Stein, Strauch für Strauch, ist er ein Garten Eden für die Eidechse, den Dauergast, der schon vor dem Anlegen der Lebensoase da war; für mich aber ist er eine Beobachtungsplattform in meiner neuen Forschungswelt der Insekten, für Pflanzen und Tiere in kleinsten Lebensform und für Phänomene, die ich in all den Jahren der Naturbeobachtung in freier Wildbahn dort so nicht erleben konnte – die jagende Eidechse, die kletternde Eidechse oder die Wespe, die keine Wespe ist.

Was ich früher nie sah, sehe ich jetzt!

Im Politischen war das so – und in den Bereichen der Natur ist es ebenso, man muss nur genauer hinsehen, um Wesentliches zu erkennen.


      Der steinerne Garten – Ort der Ruhe und der Kontemplation

Die Steine sind schon da, nur das Wasser fehlt, denn hier gibt es keine Quelle.

Hinzufügen muss ich es, Gott mimend, wenn die Wesen kommen sollen, das das Wasser brauchen, um zu leben.

So sitze ich da, beobachte – und sinne nach bei Wasser und Stein: über das Leben und über die Vergänglichkeit allen Lebens.

 

 

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