Donnerstag, 1. November 2012

"Mein Freund, der Baum" ... ist tot! Eine sentimentale Angelegenheit? Gedanken über das Werden und Vergehen in der Natur - an Allerheiligen 2012 - und ein Heiland am Waldesrand

 "Mein Freund, der Baum" ... ist tot! Eine sentimentale Angelegenheit?

 

 

Gedanken über das Werden und Vergehen in der Natur - an Allerheiligen 2012 - und ein Heiland am Waldesrand



Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht,  lehrt uns Mephisto in Goethes Faust.

 Und doch - wenn es soweit ist,

wenn ein geliebtes, bewundertes, vertrautes Subjekt dahin scheidet oder scheiden muss,

dann macht uns das traurig,

gerade dann,

wenn wir einen Verlust erleiden,

wenn wir etwas verlieren,

zu dem wir einen besonderen Bezug haben,

eine Beziehung entwickelten.


Schlimm und schmerzhaft ist der Verlust eines geliebten Menschen,

der Kinder,

der Eltern, des Lebenspartners.


Andere verlieren ihr geliebtes Haustier,

die loyalen Begleiter durch einsame Tage ihrer tristen Existenz,

den Hund,

die Katze,

das Pferd ...

das Mastschwein und die Weihnachtsgans,

deren letzte Stunde geschlagen hat,

wenn es draußen vor der Tür kalt wird und des Menschen Bauch leer ist.

Schließlich verlieren wir mehr oder weniger bewusst weite Teile einer bisweilen noch intakten Natur,

den Baum am Straßenrand,

den Baum im Park,

den Baum im Wald,

Sinnobjekte,

zu welchen einige von uns im konstruktiven Umgang mit der Natur auch in Beziehung traten,

ein Verhältnis ausbauten.

Wer oft in den Wald geht und bewusster hinschaut,

gewöhnt sich an den Mikrokosmos und Makrokosmos der Schöpfung,

an die kleinste Kreatur ebenso wie an die majestätischen Riesen,

die Jahrhunderte benötigen, um heran zu wachsen.

Eines Tages aber wird man feststellen,

dass das geliebte Objekt weg ist,

dass es gefällt am Boden liegt

und eine Lücke hinterlassen hat,

ein Loch, das uns traurig, ja melancholisch stimmt.



Mein Freund, der Baum ... ist tot!



Machen wird ein trauriges Lied daraus á la Alexandra,

ein Chanson wie Reinhard Mey?

Oder fügen wir uns in das Unabänderliche?

Was bleibt uns Idealisten anderes übrig, als die vollendete Tatsache beklagend hinzunehmen!?

In Resignation?


Was bringt es uns mehr ein, wenn wir Missstände öffentlich ansprechen, sie anprangern als neue Gegner, Feinde?


Mors certa hora incerta,

lehrten die Alten.

Bei vielen Menschen bleibt die Stunde des eigenen Todes lange offen.

Im Wald,
besser gesagt im Forst, denn Bannwälder gibt es in Deutschland fast keine mehr,

entscheidet das Zeichen des Försters,

die Kerbe im Baumstamm.,

die er mit der Axt markiert.

Wer diese Sprache des angekündeten Todes zu lesen versteht,

der weiß,

dass die Stunde der schönsten Bäume im Wald bald geschlagen haben wird –


aus ökonomischen Interessen,

weil gutes Holz gutes Geld einbringt.

Der Wald ist heute ein Wirtschaftsfaktor und keine sentimentale Angelegenheit,
die uns die Tränen in die Augen treibt.

Als ich vor Monaten die Stigmata sah,

Wunden, aus denen Harz quoll,

machte ich Bilder davon,

dass Kommende ahnend.

Inzwischen ist es Gewissheit – die Riesen liegen gefällt am Boden.



„Das ist gut so“, meinte ein Bekannter, der sich mit Holz auskennt.

„Das ist eine Katastrophe“,  meinte ein Biologie, der schon manch anderen Kahlschlag in der Region erlebt hat, so als hätte Wiebke im Wald  gehaust.





Natürliches Absterben eines Baumes - Hallimaschpilze zersetzen das Holz


Erinnert an ein Schlachtfeld


Gutes Holz


Da stand ein Nadelbaum


Ganze Arbeit


Ein Blick zum Himmel durch die Baumkrone eines Überlebenden


Das Werk im Licht


Schwarze Gallertpilze an Eichenstämmen aus dem Vorjahr


Ein paar schnell wachsende Douglasien sind noch da


Im Holz


Noch mehr Holz und gutes Geld


Licht und Schatten


Baumfällarbeiten


Es ist vollbracht


Nadelholzstamm


Laub im Sonnenlicht


Verrottender Baumstamm - Refugium für Reptilien


Eine Waldbewohnerin - Blindschleiche



Ein Bau mit mehreren Ausgängen im Wald



Schwamm



Christus am Waldrand - ermahnt und fordert
 Respekt vor der Schöpfung und
dem Leben in allen Formen


Sturmopfer



Krone einer vom Wind gestürzten Eiche


Schwamm zersetzt Eichenstamm




Rosette der Natur- Schmetterlingsporling



Am Wegrand - das Bild hat sich inzwischen gewandelt


Aus drei mach zwei


Den Tode geweiht - inzwischen erledigt!


Judasohr-Kultur - sie schwand mit dem Baumschlag


Stigma - erinnert an die Wunden Christi am Wegrand




Der Baum



Sturmgefällt



Natürliche Zersetzung


Austernartige Pilze am Stamm


Die Krone ... der Schöpfung ... der Mensch?


Fotos: Carl Gibson
Copyright: Carl Gibson





















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